„Wer repariert das?“

Die Jacke ist kaputt und meine erste Frage ist: „Wer repariert das?“ In manchen Fällen ist das klar: Wenn es sich beispielsweise um einen klaren Materialfehler handelt, und man sich noch in der Garantiezeit befindet, ist es am Besten den Händler zu kontaktieren, der einem die Ausrüstung verkauft hat. Über diesen läuft im Normalfall eine Garantie – oder Kulanzreparatur. Die Gewährleistungsfrist läuft zwei Jahre, aber viele Hersteller, die mit Nachhaltigkeit werben, geben eine längere oder lebenslange Garantie.

 Meistens macht Ausrüstung meiner Erfahrung nach allerdings erst nach dem Ablaufen der Garantie schlapp.  Dann geht es darum entscheiden: Kann ich das selbst reparieren? Kann ich das mit Hilfe reparieren? Oder sollt da doch am besten eine Fachfrau/mann ran?

Nicht jeder ist mit Reparaturtechniken wie Nähen aus dem Elternhaus vertraut. Das bedeutet aber nicht, dass man nicht wagen sollte Ausrüstung selber zu reparieren! Wir werden euch in den nächsten Beiträgen  Möglichkeiten zeigen, sich so etwas beizubringen. Und „projekt-orientiertes“ Lernen von solchen Techniken kann sehr viel Spaß machen, und sehr bereichernd sein.

Ich verstehe aber, dass es Menschen gibt, die sagen: ich habe eigentlich Null handwerkliches Geschick/ gerade keine Zeit für so etwas / gerade keine Lust meine Ausrüstung zu reparieren. Das bedeutet aber nicht, dass man das Reparaturprojekt aufgeben muss! Für solche Fälle gibt es professionelle Anbieter. Wenn es um einen neuen Reisverschluss für meine Jacke geht, hilft die Änderungsschneiderei um die Ecke. Es lohnt sich, vor dem Abgeben des Reparaturstücks nach dem Preis zu fragen. Auch ich als leidenschaftliche Reparateurin schicke Ausrüstung weg, wenn die Reparatur eindeutig meine Fähigkeiten, oder mein Zeitbudget übersteigt. Neulich habe ich beispielsweise meine Daunenschlafsack auffüllen lassen – viel günstiger als einen neuen zu kaufen, und ich schlafe jetzt wieder so kuschelig warm wie vor fünf Jahren als er neu war. Der Anbieter hierfür war eine Werkstatt in Berlin: Outdoor Service Team. Da habe ich den Schlafsack einfach hingeschickt und nach einem Kostenvoranschlag reparieren lassen.

Trotzdem lohnt es sich beim nächstgelegenen Outdoor-Fachhändler nachfragen, ob es in der Nähe ähnliche Anbieter gibt – die sollten wir nämlich unterstützen!

Letztendlich muss man abwägen: Professionell und eventuell teuer reparieren lassen, oder wagen selbst zu reparieren? Wer sich dafür entscheidet selbst zu reparieren, kann auf die Unterstützung der Outdoor-, MakeYourOwnGear-, und Reparier-Communities hoffen. Aber davon berichte ich mehr im nächsten Blogeintrag.

Nähmaschinenfus mit Bild und Schrift "Dare to repair"

Dare to repair – Will und kann ich das selbst reparieren?

Oh nein, kaputt! Es ist ein ernüchterndes Gefühl, wenn ehemals verlässliche Outdoor-Ausrüstung schlappmacht. Egal ob es ein Zelt ist, das im Sturm reißt, die Hose, die nach ein paar Jahren Abnutzung einfach „durch“ ist, oder der geliebte Schlafsack, der plötzlich Daunen verliert: Jetzt nicht den Mut verlieren.Man kann viel mehr reparieren, als wir im ersten Moment denken würden! In diesem Blogpost und den folgenden wollen wir dir eine kleine Übersicht geben, wie man an das Thema „Reparieren“ herangeht. Dabei folgen wir dem Gedankenprozess nach dem Entdecken eines Schadens:

  • Wie kaputt ist das eigentlich? – Die Schadensaufnahme
  • Wer repariert das? – Selber machen, oder Hilfe holen
  • Garantiefälle
  • Reparatur-Cafes und     „Heimarbeit“
  • Reparaturservices und     Änderungsschneidereien
  • Und wo finde ich Informationen zu „meiner Reparatur“?
  • Reparaturmaterialien kaufen
  • Bevor es schlimmer wird: Ein Reparturset für Touren     zusammenstellen und „Notfälle“ improvisieren

 Wie kaputt ist das eigentlich? – Die Schadensaufnahme 

„Ratsch“ – auf einmal hängt mein Rucksack auf Halbmast. Eine Riemenbefestigung hat nachgegeben, die Naht hat sich aufgeribbelt.Ich improvisiere erst einmal mit einem Kabelbinder (sollte auf keiner Tour fehlen) und bringe die Tour gut zu Ende.Zu Hause angekommen, begutachte ich den Schaden. Zuerst sorge ich dafür das ich die Schadensstelle gut sehen kann.     Das bedeutet: gutes Licht, eventuell ein Spültuch um Staub und Dreck     abzuwaschen. Fall es sich um ein Kleidungsstück handelt, empfehle ich es     nur dann in die Waschmaschine zu stecken, wenn sicher ist, dass nichts     aufribbeln kann. Bei einem Loch im Merino – Shirt bedeutet das: erst     flicken, dann waschen.

  • Ich schaue mir den Schaden an: Ist der Grund für den Schaden ein     Materialfehler, Gewalteinwirkung, oder Verschleiß? Wie groß ist der     Schaden? Sind eventuell noch andere Stellen des Ausrüstungsgegenstands     ebenfalls verschlissen oder kaputt? Falls das so ist, muss ich mir     überlegen: Repariere ich jetzt nur den akuten Schaden, oder will ich     direkt mehr ausbessern?

 Ok, jetzt wissen wir immerhin so grob „wie schlimm“ es ist. Damit können wir zum nächsten Schritt übergehen. Das ist die Überlegung  : „Wer repariert das?“. Hierzu schreibe ich mehr im nächsten Blogpost.

Unterstützung für outdooRent

Du liebst es draußen zu sein? Du hast gerade Zeit und Lust ein sinnvolles Projekt zu unterstützen?

Wir arbeiten an einer Plattform für den Austausch von Outdoor-Ausrüstung. Auf unserer Webseite kannst du nachlesen, was unsere Mission ist und wie wir uns gegründet haben. Wir, das sind das Kernteam des Vereins outdooRent: Ronja, Annika und David. Wir alle arbeiten ehrenamtlich für outdooRent, um es jeder*jedem zu ermöglichen, Abenteuer in der Natur zu erleben. Und wir suchen Dich als Unterstützung im Kernteam!

Wir merken gerade, dass wir zu wenig Zeit dafür haben, Dinge zu bewegen, seit wir das Studentenleben hinter uns gelassen haben. Aber für outdooRent geht es wir gerade erst los und die heiße Phase startet bald. Da kommst du ins Spiel:

Du bist idealerweise Student*in oder arbeitest Teilzeit und möchtest dich in deiner Freizeit einer sinnvollen Tätigkeit widmen. Du unterstützt uns als gleichberechtigtes Teammitglied und entscheidest mit. Du kannst dich kreativ bei der Gestaltung von Flyern und der Homepage austoben. Du hast aber auch kein Problem mit typischen Büroarbeiten und vielleicht auch einmal Lust einen Blogbeitrag zu schreiben.

Wir arbeiten dezentral aus drei verschiedenen Städten zusammen und haben regelmäßig Meetings über Videokonferenz.

Wenn das alles für dich nach einer spannenden ehrenamtlichen Tätigkeit klingt, kannst du dich für ein Kennenlern-Skype-Meeting unter info@outdoorent.de melden.

Wir freuen uns auf deine Nachricht!

Seppo Uusitupa – A morning view 2/4 on flickr

Grüner Freitag statt Konsumrausch

– Reparieren – teilen – gebrauch kaufen – Natur genießen –

Foto: Seppo Uusitupa – A morning view 2/4 on flickr

Am Freitag ist es so weit – es ist der Tag nach Thanksgiving. In den USA ist das der umsatzstärkste Tag des Jahres und auch hier in Deutschland ist der sogenannte Black Friday inzwischen ein Anlass für Angebote und Schnäppchenjagd.

Der November ist dunkel und feucht. Genau die richtige Zeit um sich gemütlich mit Freunden zu treffen und neue Abenteuer zu planen. Was man da alles brauchen könnte: eine neue Jacke, weil bei der alten der Reisverschluss klemmt, ein leichteres Zelt, damit lange Tagesetappen realistischer werden… und schon erscheint die Werbung der Outdoor-Ausrüster doppelt verlockend.

Auch ich bin hin- und hergerissen. Ich bin gerne mit guter Ausrüstung unterwegs, aber ich weiß: Ausrüstung wird oft so hergestellt, dass ihre Produktion und Nutzung die Natur schädigen. Und Konsum von Unnötigem verschwendet wertvolle Ressourcen und setzt unnötig viel CO2 frei.

Zum Glück gibt es eine Lösung für dieses Dilemma: der Green Friday! Der Green Friday ist eine Gegenbewegung zum Konsumwahn am Black Friday und flutet den Körper mit mindestens genau so vielen Endorphinen wie ein mittlerer Kaufrausch.

Die Grundgedanken des Green Friday sind schnell zusammengefasst:

Wir nutzen diesen Tag dafür,

  • raus zu gehen und die Natur zu erleben (und uns an der abenteuerlichen Seite des Herbsts zu erfreuen),
  • Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen,
  • sich Zeit für andere und tolle Projekte zu nehmen,
  • zu reparieren, zu tauschen und sich über Verleih und Teilen von Ausrüstung zu informieren.

Bei mir ist am Freitag also Reparaturtag angesagt! Der Reißverschluss wird mit Seife wieder gängig gemacht und ich flicke das Loch im Hosenboden meiner Trekkinghose. Dann zeige ich einer Freundin wie man die Nähmaschine benutzt.

Abends haben wir noch eine Stirnlampenwanderung mit heißem Tee geplant. Ich freue mich darauf und verspreche mir: ich lasse mich nicht vom Konsumrausch mitziehen, sondern genieße einen gemütlichen Freitag.

Spannende Infos zum Reparieren und Möglichkeiten, erfahrene Reparateure zu treffen, gibt es beispielsweise bei Reparaturcafés oder offenen Werkstätten in deiner Stadt.

Und auf der outdooRent-Plattform könnt ihr Ausrüstung leihen, verleihen, mieten und vermieten. Schreibt uns auf info@outdoorent.de oder auf Facebook an und ihr gehört zu den ersten Nutzern!

Wir freuen uns auf geteilte grüne Abenteuer! ☺

Zukunftsmacher.

Am vergangenen Wochenende ging es für outdooRent und viele andere Projekte im Bereich des nachhaltigen Unternehmertums nach Sylt zum YOOWEEDOO Summercamp.

Nach einem ersten Hüpfer in die etwas kalte Nordsee (14/15°C) ging es am Freitagabend mit der Begrüßung los. Am Samstag und Sonntag folgten viele spannende Vorträge zu Erfolgsgeschichten wie von Goldeimer, die zeigten, dass ein soziales und ökologisches Unternehmertun sehr gut funktionieren kann. Als Stipendiaten konnten wir in Workshops und Expertengesprächen unsere Ideen weiterentwickeln, Probleme reflektieren und eine große Portion Motivation mitnehmen. An dieser Stelle möchte ich euch nahe legen: Wenn ihr eine Idee für ein „Sustainable Business“ o.ä. habt, zögert nicht und macht was draus! Durch z.B. YOOWEEDOO, das Social Impact Lab und die World Citizen School gibt es so viele tolle Unterstützungsangebote. Ihr seid nicht alleine!

Neben dem bunten Programm hatte ich die Gelegenheit viele andere tolle Projekte kennenzulernen, die auch gerade am Anfang sind, wie MeinFahrradSpendet, Storyyeller Games oder Novicos. Alle weiteren Stipendiaten findet ihr auch über diesen Link.

Sorry, falls das der einen oder dem anderen etwas zu viele Verlinkungen sind. Ich möchte euch nur zeigen, wie viele und unterschiedliche Initiativen es gibt, die einen motivieren weiterzumachen. Einfach machen.

 

Mein Zelt reist auf die Lofoten.

Noch eine Woche dann geht es los. Nicht für mich, für mich beginnen die Outdoor-Abenteuer diese Sommers erst im Juli. Aber mein Zelt geht auf Reisen. Lukas nimmt es mit auf die Lofoten. Also in ein mehr oder weniger altbekanntes Territorium. Denn letzten Herbst haben mein Zelt und ich dort noch gemeinsam die Berge und Buchten unsicher gemacht. Schroff ragen dort die Felsen in die Höhe, und in den Buchten peitscht der Wind. In einer Nacht so stark, dass ich mir noch Steine zur Beschwerung ins Zelt gelegt habe – nur so konnte ich schlafen, ohne Angst zu haben abzuheben.

So ein Ausleihvorgang ist natürlich auch noch einmal eine gute Gelegenheit zu Überprüfen, ob das eigene Zelt komplett ist. Und Lukas (oder eine*r anderen Person die das Zelt in Zukunft leiht) noch ein paar Tipps für die pflegliche Behandlung an die Hand zu geben.

Was ich selber mache, bevor ich mein Zelt verleihe:

  • Ich überprüfe kurz ob es komplett ist. Heringe auch dabei? Und Unterlegplane, falls man eine hat?
  • Ich schüttele es noch mal aus. Und finde die Ohrenstöpsel, die ich verloren geglaubt hatte.
  • Ich liste die „bekannten Mängel“ auf, um Lukas darauf aufmerksam zu machen. Mein Zelt hat beispielsweise drei kleine Flickstellen (von genau dieser windigen Nacht auf den Lofoten) ist aber dicht.
  • Ist eine Aufbauanleitung dabei (bei mir auf die Packtasche gedruckt)? Ist der Aufbau selbsterklärend, oder sollte ich noch der Person die es ausleiht noch ein paar kurze Ratschläge geben?

Wie ich mir wünsche, dass Lukas mein Zelt behandelt:

  • Aufbau an möglichst wenig exponierten Stellen.
  • Unterlegen der Plastikplane, um den Boden vor scharfen Steinen zu schützen.
  • Morgens das Zelt, wenn möglich kurz abtrocknen lassen, bevor man es einpackt. (Ja ich weiß, bei Dauerregen bringt der Tipp nix. Aber oft lacht morgens ja auch die Sonne. Und ein trockenes Zelt trägt sich leichter ;).)
  • Ab und zu kontrollieren, dass nichts Wichtiges wie Heringe zurückgelassen wird.
  • Wieder zuhause: Zelt aufhängen und knochentrocken trocknen lassen. Wenn es draußen zu nass ist: In der Duschkabine / in der Waschküche. Einmal gründlich Ausschütteln.
  • Überlegen: Hat alles gepasst so? Ist irgendwas kaputt oder verloren gegangen? -> Falls ja: offene und ehrliche Kommunikation, dann findet sich schon eine Lösung.
  • Insgesamt also: Immer noch einen Hauch pfleglicher, als wenn es ihm selbst gehören würde ;).

Das war es von mir – ich wünsche Lukas, seiner Crew, und meinem Zelt eine wunderbare Zeit auf den Lofoten!

Anfangen.

Es geht bergauf. Nicht etwas, sondern steil. Und ich bin hundert Schritte gegangen und der Hüftgurt fängt schon jetzt an zu drücken. Mir ist flau im Magen als ich den Berg anschaue, den ich mir ausgesucht habe. Hier soll ich hinauf?

Das Wort majestätisch ist in meinem Wortschatz Bergen vorbehalten. Berge thronen. Beobachten mit langem Atem. Fünfzig Millionen Jahre alt, und noch nicht ganz ausgewachsen. Die Minute die ich innehalte, gebannt vor Respekt vor diesem Riesen, ist auf dieser Zeitskala bedeutungslos.

Auf meiner eigenen nicht. Ich schaue auf die Uhr und überlege. Wenn ich jetzt umdrehe, könnte ich noch den letzten Bus in die Stadt zurück erwischen. Jede größere Wanderung die ich starte ist eine Herausforderung an mich selber. Nicht nur an meine Fähigkeit zur Planung, an meine körperliche Fitness, sondern vor allem an mein Hirn. Traust du dich das? Traust du dir das zu?

Ich werde den Menschen die mich beim Start meiner allerersten Tour mit heißem süßen Kaffee versorgten und mir Mut machten, mich einfach losschickten, für immer dankbar sein. Wäre ich an dem Tag umgedreht, wäre ich vielleicht nie zu dem wandernden Outdoor-Menschen geworden, der ich jetzt bin.

Ich schaue den Berg an, den Weg der mich an seiner Flanke entlang nach oben führt. Dort irgendwo will ich bei einem Gebirgssee mein Zelt aufschlagen. Ich ziehe meine Rucksackträger strammer und schaue noch einmal zurück. Umdrehen kann ich immer noch. Aber jetzt bin ich immerhin schon einmal los gegangen.

Jedes Abenteuer beginnt mit einem ersten Schritt. Es lohnt sich loszugehen.

Immer dem Daumen nach – Teil 2 von 2

von Levyn Bürki

Ich weiss nicht, wie viele Städte ich in meinem Leben schon besucht habe. Aber egal an welche Stadt ich zurückdenke, zu jeder fällt mir ein bestimmter Eindruck ein. Interessant, was da manchmal hängen bleibt…

Bei Athen etwa denke ich an Gummispringballautomaten. Bei Vilnius an einen Punkclub und an indische Gemälde. Mit Salzburg verbinde ich dunkelgraue Dächer und Regenrinnen und mit Johannesburg ein Violinkonzert von Beethoven. In Helsinki gibt es viele grüne Erbsen, in Brüssel geröstete Erdnüsse und in Lille gibt es eine Ringstrasse, welche mir den ersten Lachmuskelkrampf meines Lebens beschert hat. Und hiermit zurück zum eigentlichen Thema, dem Reisen per Autostopp und der Kommunikation am Strassenrand.

So banal es klingt: Autostoppen heisst Autos stoppen. Wer einfach ein Schild an den Strassenrand stellt und sich mit einem Buch an den nächsten Strassenpfosten hockt, wird womöglich bald feststellen, dass die Seitenzahlen schneller dahinfliegen als die zurückgelegten Kilometer.

Autostoppen heisst kommunizieren. Windschutzscheiben schützen nicht bloss vor Wind, sie schützen auch vor sozialerer Interaktion. Wer mitgenommen werden will, muss diese Trennwand aus Glas Mal um Mal durchbrechen. Auto für Auto. Blickkontakt suchen. Handzeichen geben. Lächeln. Winken. Nächstes Auto. Im Zwei-Sekunden-Takt.

Autostoppen heisst durchhalten. Nicht alle Fahrer*innen haben das gleiche Ziel. Nicht alle verstehen das Konzept Autostopp. Auch haben nicht alle genügend Platz im Auto oder die Nerven, im Stossverkehr rechts rauszufahren. Doch jedes neue Auto ist eine neue Chance. Deshalb immer schön freundlich bleiben. Lächeln. Scheibe durchbrechen. Lächeln. Scheibe durchbohren. Lächeln. Scheibe bersten lassen. Lächeln.

In Lille habe ich nach fünf Stunden Lächeln (und besagtem Lachmuskelkrampf) schliesslich aufgegeben und mir ein Busticket nach Brüssel gekauft. Auf dieser Fahrt entstand ein kleines Lexikon zur wortlosen Kommunikation durch die Windschutzscheibe. Hier die Grundlagen:

Autofahrer*in-Deutsch/Deutsch-Autofahrer*in

Fingerzeig nach unten: «Sorry, aber ich bleibe in der Stadt.»
Fingerzeig nach links/rechts/geradeaus: «Sorry, aber ich fahre nicht in deine Richtung.»
Anmerkung: Oft gesehen beim Trampen mit Schild. Aber Obacht: die Navi-fixierten Autopilot*innen der Postmoderne wissen oft nicht mehr, wo ihr Ziel liegt. Sehe es ihnen deshalb nach, wenn sie entschuldigend in die richtige Richtung zeigen und weiterfahren.
Daumen nach oben: «Viel Glück, und mach weiter so!»
Anmerkung: Geniesse den kleinen Energieschub! Du kannst ihn gut gebrauchen.
Scheibenwischer vor Gesicht: «Ja hast du sie noch alle?»
Anmerkung: Eventuell solltest Du überprüfen, ob die Stelle sicher genug ist zum Anhalten. Beachte jedoch: Sicherheit ist oft Ermessenssache und wird von Fahrer*in zu Fahrer*in anders eingeschätzt.
Fingerspitzen aneinander reiben: «Bist wohl nicht bereit, für deine Reise zu bezahlen? Selber schuld!»
Anmerkung: Schade! Diese Art von Fahrer*in hat leider nicht begriffen, worum es beim Autostopp eigentlich geht. Die kostenlose Fahrt ist einzig ein positiver Nebeneffekt.
Gestreckter Mittelfinger: [zensiert]
Anmerkung: Halb so wild, mit denen hättest Du eh nicht mitfahren wollen…
Entschuldigende Geste nach hinten ins volle Auto: «Sorry, aber mein Auto ist schon voll.»
Anmerkung: Kindersitzchen, Pakete, IKEA-Möbel, Krims, Krams und Krempel, … unglaublich, was die Leute alles spazieren fahren! Mach dir eine Liste und prämiere von Zeit zu Zeit die verrückteste Autoladung!
Entschuldigende Geste nach hinten ins leere Auto: [?]
Anmerkung: Puh… was will man da sagen? Lächeln und winken!

Egal wie viele Autos an einem vorbeifahren, bis es dann endlich klappt, eins ist gewiss: Autostoppen macht dankbar. Und hoffnungsvoll. Denn es gibt so viele hilfsbereite Leute da draussen. Menschen mit Interesse an ihren Mitmenschen. Am Gespräch. Am Austausch. Man muss sie nur treffen. Und sei es nur für die fünf Minuten bis zur nächsten Autobahnauffahrt.

Immer dem Daumen nach – Teil 1 von 2

von Levyn Bürki

Eine längere Auslandreise will gut vorbereitet sein. Dokumente scannen, Krankenversicherung checken, … Gerade auch hinsichtlich Reisegepäck sollte man sich frühzeitig Gedanken darüber machen, welche Anforderungen Jahreszeit und Klima an die Outdoor-Ausrüstung stellen. Was kommt mit, was bleibt zu Hause? Das Reisegepäck auf das Nötigste zu reduzieren, ist immer eine gute Idee! Und wenn sich der Rucksack dann doch als zu klein herausstellt… schon bald kann man sich einen grösseren ja ganz einfach mieten! 😉

Vorbereitung ist wichtig, jedoch nicht alles. Wer auf seinen Reisen etwas erleben möchte, sollte sich davor hüten, allzu viel bereits im Voraus zu planen. Denn richtige Abenteuer müssen einem passieren; sie können nicht geplant werden. Immerhin: was sich nicht planen lässt, kann doch geschickt provoziert werden. Meist, indem man dem Ungeplanten genügend Freiraum lässt, sich zu ergeben. Ein möglicher Ansatzpunkt: die Art der Fortbewegung. Die folgenden zwei Blogeinträge sind deshalb ein kleines Plädoyer fürs Reisen per Anhalter.

Bei frostigen Temperaturen bin ich Ende Februar zu einer mehrwöchigen Autostopp-Reise aufgebrochen. Nicht gerade die übliche Jahreszeit fürs Trampen, aber ich hatte einen Termin: «Ich komme aus der Schweiz und reise nach Papenburg in Niedersachsen. Mitte März werde ich dort ein Seminar besuchen, und weil ich soeben mein Studium abgeschlossen und endlich wieder etwas Zeit habe, dachte ich mir, ich nütze die Gelegenheit und reise per Autostopp an.» Dieses Sprüchlein habe ich oft wiederholt. Drei Wochen lang war ich unterwegs, von Bern zuerst nach Tübingen, dann gen Westen durch den Schwarzwald und die Vogesen bis nach Paris und schliesslich im Zickzackkurs nordwärts durch Belgien und die Niederlande bis direkt vors Seminarzentrum in Papenburg.

Diese Reise ermöglicht haben mir 28 Fahrer*innen, welche unterschiedlicher kaum sein könnten. Allesamt wussten sie bei Antritt ihrer Fahrt noch nicht, dass sie unterwegs einen Autostopper mitnehmen würden. Ich wiederum durfte mich stets aufs Neue überraschen lassen, welche Sprache ich im nächsten Auto sprechen und welche Gespräche sich ergeben werden. Gleich am ersten Reisetag wurde ich völlig unerwartet zum persönlichen Touristenführer von Richard und Kelly. Das pensionierte Ehepaar aus Minnesota war mit Mietauto unterwegs und gabelte mich in der Nähe von Zürich auf. Erst schien es, als ob wir nicht denselben Weg hätten. Doch als ich die beiden eine Stunde später und zwei Raststätten weiter abermals antraf (ja, solche Zufälle gibt’s!) stellte sich heraus, dass sie «einfach nur aus der teuren Schweiz raus» wollten. Sie änderten kurzum ihre Pläne und nahmen mich ein gutes Stück mit und über die Grenze nach Deutschland. Und weil das Wetter so schön war, führte ich die beiden in Schaffhausen zum Rheinfall, dem touristischen Ausflugsziel schlechthin, welches sie ansonsten verpasst hätten.

Zugegeben, oft war ich schon froh, aus einer Stadt rauszukommen und immerhin bis zur nächsten Tankstelle mitgenommen zu werden. Nicht selten hatte ich aber auch das Glück, dass mich jemand über mehrere hundert Kilometer mitnahm. Die längste Fahrtstrecke meiner Reise betrug exakt 400 Kilometer: mit Malou und ihrer BlaBlaCar-Crew von Nancy nach Paris. Die kürzeste Fahrtstrecke wiederum betrug exakt 100 Meter, nämlich beim Versuch, Paris nach Norden hin zu verlassen: Rucksack und Schild in aller Eile auf der Rückbank verstaut, den Beifahrersitz von allerlei Krempel befreit, platzgenommen, Karten abgeglichen — und nach einem kurzen, geteilten Schreckmoment noch am selben Rotlicht wieder ausgestiegen. Nur kurze Zeit später hat mich dann ein Postbote des SNCF ein Stück weit mitgenommen. Die Reststrecke bis Lille fuhr mich der Chef der städtischen Wasserversorgung von Amsterdam.

tandem
Trampen in besonders schöner Weise: Levyn auf dem Tandem mit Froukje!

Reisen per Anhalter beschränkt sich übrigens nicht nur auf Autos und Lastwagen. Die schönste aller Etappen legte ich zusammen mit Froukje auf dem Tandemfahrrad zurück. Ich war als Couchsurfer bei ihr zu Gast, als sie mir kurzerhand das Angebot machte, den Rucksack gegen Radtaschen auszutauschen und die 120 Kilometer Küstenstrecke von Vlissingen nach Rotterdam per Tandem zurückzulegen. Wie gesagt: richtige Abenteuer kann man nicht planen, sie finden einen selber!

Erfolgreiches Trampen erfordert jedoch nicht bloss Glück, sondern auch viel strategisches Geschick. Ob Autostopp dereinst olympisch wird, daran darf gezweifelt werden. Doch offizielle Wettrennen gibt es alleweil. Die nächste Gelegenheit: am 23. Juni finden in Fribourg (CH) bereits zum fünften Mal die Autostopp-Meisterschaften statt. Die Regeln sind einfach: jenes Zweierteam, welches zuerst am 200–300 km entfernt gelegenen Zielort (meist ein Campingplatz) ankommt, gewinnt das Rennen. Die Fahrt nicht zu arrangieren, ist Ehrensache. Wie man hingegen als Team am Strassenrand auf sich aufmerksam macht, hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt!

Um Strategie und Kommunikation am Strassenrand wird es denn auch im zweiten Teil meines Blogeintrags gehen. Als Lektüre für die Zwischenzeit empfehle ich zweierlei:

– Das Hitchwiki ist das Hitchhiking-Portal schlechthin. Hier findet ihr jede Menge Tipps, Sicherheitshinweise, eine Weltkarte mit abertausenden von Hitchhiking-Spots, ausführliche Länder- und Städtebeschriebe sowie eine aktuelle Liste spannender Events.

– In der Hörbuchfassung von Douglas Adams’ „The Hitchhikers Guide to the Galaxy und “The Restaurant at the End of The Universe” erfährt ihr, wieso man beim Trampen stets ein Handtuch auf sich tragen sollte.

Mini-Abenteuer. Rad-Wandern in Nordhessen.

Warum in die Ferne schweifen, wenn es so viele schöne Orte in der Nähe zu erkunden gibt? Es gibt einige Gegenden in Deutschland, die gemeinhin unterschätzt werden. Dazu zählt mit Sicherheit auch Nordhessen. Mit Kassel als einziger Großstadt verirren sich nur wenige nicht gebürtige Menschen hier hin. Aber: Es lohnt sich. Egal ob Wanderer*in, Radfahrer*in oder Kulturhungrige*r, dieser Landstrich bietet so einiges. Das wussten auch schon die Gebrüder Grimm. Vor allem sanfte Hügel mit dichten Wäldern zeichnen die Landschaft aus. Nah bei Kassel liegt u. a. der Reinhardswald.

Am vergangenen Wochenende zog es uns mit dem Fahrrad nach Draußen. Geplant war eine Tour von Kassel nach Hofgeismar und wieder zurück und das teilweise über den Reinhardswald-Radweg. Eine Strecke sind ca. 30 km. Für geübte Fahrer*innen ist die Tour locker an einem Tag zu schaffen. Wir wählten eine sehr entspannte Variante mit einer Übernachtung in Hofgeismar.

Eine Sache fehlte uns zu unserem Outdoor-Glück: Fahrradtaschen. Hätten wir nicht gut ausgerüstete Freunde, hätten wir uns mit Rucksäcken abmühen müssen. So konnten wir uns „analog“ Taschen leihen. Mit outdooRent geht das bald auch digital von (Noch-)Nicht-Freund*innen 😉

Mit locker gepackten, wasserdichten 40 l-Fahrradtaschen verließen wir die Großstadt und fuhren zunächst bis Vellmar an der Ahne entlang durch eine Wiesenlandschaft. In Vellmar lud das Café im Ahnepark zu einer ersten Pause ein. Der Park hat eine sehr schöne Skulpturen-Sammlung, u. a. die Skulptur „Stille“, ein riesiges Ohr. Hinter dem Park verläuft der Weg weiter über Feldwege durch Espenau bis Immenhausen. Dort gibt es ein sehr empfehlenswertes Eis-Café am Ortseingang. Nach der Eis-Pause fuhren wir glücklich – leider in die falsche Richtung – weiter und strandeten am Rande des Reinhardswalds. In Immenhausen beginnt der Teil des Reinhardswald-Radwegs, der tatsächlich durch den Wald führt. Da wir aber nach Hofgeismar wollten, mussten wir vor Immenhausen auf den Märchenlandradrundweg wechseln und kamen schließlich im malerischen Fachwerkstädtchen Hofgeismar an. Die Rückfahrt am nächsten Tag war eine sehr ähnliche Strecke. Im Gegensatz zur etwas mühsameren Hinfahrt konnten wir uns zurück aber viel rollen lassen. Es war in jedem Fall sehr schön.